Von verspielten Figuren über praktische Alltagsgegenstände bis hin zu sakralen Kunstwerken: Entdeckt die traditionsreiche Holzschnitzerei in Gröden.
Bënunì te Gherdëina!
Eingebettet in die imposante Bergwelt der Dolomiten gilt Gröden als eines der eindrucksvollsten Täler Südtirols. Bekannt für spektakuläre Gipfel, weite Almwiesen und erstklassigen Sportmöglichkeiten, zieht das Tal zu jeder Jahreszeit Naturliebhaber und Aktivurlauber in seinen Bann.
Doch Gröden ist nicht nur ein Paradies für Outdoorfans, es ist zugleich auch ein Tal mit tief verwurzelter Kultur.
Zwischen historischen Werkstätten und kleinen Ateliers entfaltet sich eine jahrhundertealte Tradition: Der Duft von frisch geschnitztem Holz liegt in der Luft, feine Späne tanzen im Licht. Ruhige Hände führen das Werkzeug mit geübter Präzision über das Material, bis aus einem unscheinbaren Stück Holz Schritt für Schritt eine Figur mit Ausdruck und Charakter entsteht. Diese Kunst der Holzschnitzerei prägt die Region seit Generationen und begeistert bis heute mit ihrer Raffinesse und natürlichen Schönheit. Wer Gröden aus dieser besonderen Perspektive entdecken möchte, findet in den Unterkünften der Urlaubsspezialisten von südtirol hosts den idealen Ausgangspunkt.
Über Generationen hinweg
Seit Jahrhunderten ist das Grödnertal ein Ort, an dem aus Holz kleine Kunstwerke entstehen. Was im 17. Jahrhundert während der langen Wintermonate als schlichter Zeitvertreib begann, entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einer lebendigen Tradition. Anfangs entstanden kleine Tiere und Alltagsgegenstände – mit viel Geduld und einem feinen Gespür für das Material.
Im 18. Jahrhundert kamen kunstvolle Altäre, Heiligenfiguren und hochwertiges Holzspielzeug hinzu, das bis in die Häuser wohlhabender Familien im deutschsprachigen Raum gelangte. Mit der Gründung erster Verlegerfirmen traten die filigranen Schnitzereien schließlich ihre Reise in die Welt an, allen voran sakrale Darstellungen und die bis heute beliebten Krippenfiguren.
Wie aus einem Stück Holz Leben erwacht
Mit ruhiger Hand und einem geschulten Blick beginnt in Gröden jedes Schnitzwerk mit einem Stück Holz. Schritt für Schritt tragen die Schnitzer Material ab, folgen der natürlichen Maserung und lassen so nach und nach Formen entstehen. Erst grob, dann immer feiner, bis kunstvolle Figuren sichtbar werden. Oft arbeiten dabei verschiedene Künstler zusammen: vom Bildhauer über den Fräser bis hin zum Fassmaler, der den Werken mit Farbe den letzten Schliff verleiht.
Wer diese besondere Kunst selbst erleben möchte, hat in St. Ulrich die Gelegenheit dazu. In einem kompakten Einführungskurs taucht ihr direkt in die Welt der Grödner Schnitzkunst ein und fertigt unter fachkundiger Anleitung euer eigenes kleines Relief an. Treffpunkt ist der Tourismusverein St. Ulrich, die Dauer beträgt rund drei Stunden. Der Kurs findet von Juni bis Oktober sowie von Dezember bis April statt und ist auch für Einsteiger bestens geeignet.
Von Tradition bis Neuinterpretation
Zwischen traditionellen Werkstätten und modernen Ausstellungsräumen lässt sich die Grödner Schnitzkunst heute in all ihren Facetten entdecken. Noch immer entstehen in kleinen Ateliers Figuren in sorgfältiger Handarbeit – geprägt von jahrhundertealtem Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Gleichzeitig öffnen Museen und Galerien den Blick für die Entwicklung dieses besonderen Handwerks und zeigen, wie lebendig und wandelbar es geblieben ist.
Im Museum de Gherdëina in St. Ulrich taucht ihr tief in die über 400-jährige Geschichte ein und begegnet neben sakralen Werken auch verspieltem Holzspielzeug sowie überraschend humorvollen Skulpturen aus verschiedenen Epochen. Einen umfassenden Überblick über die Vielfalt der Stilrichtungen bietet die Ausstellung Art 52 in St. Ulrich, in der zahlreiche Künstler und Künstlerinnen ihre handgeschnitzten Werke präsentieren.

Dass die Holzschnitzerei in Gröden längst auch in der Gegenwart angekommen ist, zeigt die Vijion Art Gallery in Pontives. Hier treffen traditionelle Techniken auf moderne Interpretationen, klare Formen auf kreative Experimente. So entsteht ein spannender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und die Gewissheit, dass die Grödner Schnitzkunst bewahrt, aber auch immer wieder neu gedacht wird.
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