„Am Wochenende von Fronleichnam haben Freiwillige die Blechdosen, die Stofffetzen und den Diesel hinaufgetragen. Am Sonntag sind wir am Nachmittag hinaufmarschiert und haben die Blechdosen am Kinig neben dem Ifinger in Position gebracht. Es waren wie immer auch ein paar „alte Hasen“ dabei, die genau wissen, wo man die Dosen mit den Stofffetzen drin aufstellen muss, damit das Herz auch ein Herz wird. Dann werden die Dosen mit Dieselöl gefüllt.
Und sobald die Dunkelheit hereinbricht, werden die Doseninhalte entzündet und am Berghang erstrahlt das Herz mit dem Kreuz, ein wahres Herz-Jesu-Feuer! Auf dem Ifinger stehen solche Dosenfeuer auf dem Grat aufgereiht und bilden eine Lichterkette. Auch auf der Lavanspitze brennt ein Kreuz, und bei Schönwetter auch im Hang des Ifingers. Dorthin gehen die Bergsteiger, das organisiert der Alpenverein. Denn da muss man schon trittsicher sein! Sobald die Feuer brennen, geht es wieder runter Richtung Tal.
Bei der Ifingerhütte trifft man sich zur gemeinsamen Suppe, die spendiert der Schützenverein.“
So erzählt Brigitte Dosser Egger vom Haus Hohenrain von Ihrem Erlebnis letztes Jahr, als sie mitging und zum Erhalt dieser Tradition beitrug.
Heiliges Herz Jesu
So wie an den Bergen um Schenna, brennen am 3. Sonntag nach Pfingsten in ganz Südtirol die Herz-Jesu-Feuer auf den Graten und in den Hängen. Sie gehen auf das Jahr 1796 zurück, als die Tiroler vor dem bevorstehenden Angriff der übermächtigen Truppen Napoleons verzweifelten und sich mit feierlichem Gelöbnis dem Schutze des heiligen Herzen Jesu anvertrauten. Dann ging es mit Gottes Hilfe und neuem Mut in den Kampf und die Tiroler konnten sich behaupten. Seitdem werden Jahr um Jahr in Erinnerung an den unverhofften Sieg im ganzen Land Herz-Jesu-Feuer entzündet. Vornehmlich sind es die Jungen im Alpenverein, bei den freiwilligen Feuerwehren, die Schützenvereine und die Bauernjugend, welche Herzen, Kreuze und Adler aus Feuer in den Berghang malen.
Vielerorts werden riesige, weithin sichtbare Lagerfeuer entzündet. Das Holz brennt dort wie die Liebe zur Heimat, die auch mit Böllern und Fahnen verkündet wird. Dort wachen die Jungen über das Feuer bis es in den frühen Morgenstunden verlöscht. Was nicht verlöscht ist die Liebe zur Heimat, das spürt man, und man sieht es an den leuchtenden Augen, an den etwas verlegenen Antworten, warum sie das machen. Bis einer feuert: „Jo, di Hoamet isch die Hoamet. Selletwegn muas es in Herz-Jesu-Sunntig prinnen.“
Im Tale halten nach Einbruch der Dunkelheit dann Jung und Alt Ausschau nach den Herz-Jesu-Feuern und zählen, wer die meisten entdecken kann. Nicht nur Brigitte, sondern auch viele andere unserer
Privatvermieter wissen selbst davon zu erzählen.
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