Am ersten Fastensonntag geschieht im oberen Vinschgau etwas Kurioses. Männer und Burschen trotzen der Kälte und begeben sich mit Ästen, Holzscheiben und Seilen bewaffnet auf eine Anhöhe des Dorfes. Voller Vorfreude warten sie hier auf die Nacht um endlich mit ihrem Treiben beginnen zu können. Schließlich ist heute „Scheibenschlag-Sonntag“!
Die richtige Scheibe
Die Vorbereitungen für diesen alten Brauch um Glück im kommenden Erntejahr zu erhalten, beginnen schon einige Tage vorher. Jugendliche suchen im Tal nach den optimalen Haselnussästen, auch „Gaart“ genannt, die zum Schlagen der Holzscheiben benötigt werden. Diese Scheiben mit einem Loch in der Mitte werden in liebevoller Handarbeit erstellt. „Es gab dann auch eine Sonntagsscheibe, die ich mit Holzfarben bemalte und für besonders nahestehende Personen bereithielt“ berichtet Roland Peer von
Haus Peer in Burgeis, ein waschechter Vinschger der viele Jahre an diesem Brauch teilgenommen hat und jede Menge zu erzählen weiß.
„Schau wie mein Scheibele fliegt“
Mit vereinten Kräften wird am besagten Scheibenschlag-Sonntag eine hohe, mit Stroh umwickelte Stange mit Querverstrebungen, die sogenannte „Hex“ aufgestellt und von tapferen Männern rund um die Uhr bewacht! Es ist ein Fruchtbarkeitssymbol und es wäre eine Blamage, sollte es einem Burschen aus einem anderen Dorf gelingen ihre Errichtung vor dem Abend anzuzünden. Anzünden? Oh ja! Erst in den Abendstunden wird der Brauch erst richtig zelebriert!
Mit Hilfe der „Gaart“ hält man die Holzscheiben ins Feuer und schwingt sie mehrmals um den eigenen Körper, damit sie richtig glüht. Dabei werden Reime aufgesagt wie:
„Oh Reim Reim,
fa wem weard eppr dia Scheib sein,
dia Scheib und mai Kniascheib
kearn dem Sepp und der Maria zun a guate Nocht,
bis die Bettstott krocht.
Hoaß, hoaß, olte Goas.“
Zu dessen Schluss schlagen die Männer die brennende Scheibe ins Tal. Wenn sie einen schönen, weiten Flug hat, also „gut gegangen“ ist, geht der zugeteilte Wunsch in Erfüllung.
Als krönender Abschluss wird die „Hex“ unter lautem Geschrei entfacht und leuchtet bis ins Dorf hinunter.
Ein absolut sehenswerter Brauch mit einer langen Tradition. Jeder
Privatvermieter hat dabei seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Langweilig wird einem dabei nie! Vielleicht ist auch einmal eine Scheibe für Sie dabei…
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